Fitness für’s Gehirn

Allgemein
// 29 November 2010
Reporter mit EEG-Kappe auf einem Fahrradergometer (Bild: Rooch)

Sport ist Arbeit für den Körper, doch Wissenschaftler beobachten, dass viele Menschen nach dem Sport konzentrierter sind. Diesem Phänomen gehen Forscher an der Deutschen Sporthochschule in Köln nach. Ich mache bei einer Untersuchung zu Sport und Konzentration mit.

Man macht viele, anstrengende Bewegungen, man kommt ins Schwitzen, der Herzschlag beschleunigt sich, man kommt außer Atem, und nachher ist man erschöpft. Aber auch konzentrierter. Das zeigen wissenschaftliche Studien seit ungefähr zehn Jahren, sagt Dr. Stefan Schneider. Der Wissenschaftler untersucht an der Deutschen Sporthochschule in Köln, der einzigen ganz auf Sport ausgerichteten Hochschule in ganz Europa, was im Gehirn vorgeht, während wir Sport treiben. Auch ich lasse ihn und seine Kollegen in mein Gehirn blicken.

Um die Aktivität des Gehirns zu messen, muss ich eine Gehirnstrom-Kappe aufsetzen, eine Art Badekappe, in die kleine Kontaktplättchen, Elektroden, eingelassen sind. Wenn Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren, verändern sich elektrische Spannungen an der Schädeloberfläche, und über die Elektroden in der Kappe können diese Spannungsschwankungen, die sich im Mikrovolt-Bereich bewegen, aufgezeichnet werden – ein sogenanntes EEG wird erstellt, ein Elektroenzephalogramm.

Die Sportwissenschaftler lassen mich nun unter anderem auf einem Fahrrad fahren, einem Hometrainer, und messen dabei die Aktivität des Gehirns. Gleichzeitig muss ich einen Intelligenztest machen, zum Beispiel entscheiden, welche von zwei Zahlen größer ist, etwa (27+5)/2 oder 42-13. Am Ende des Experiments vergleichen die Wissenschaftler sowohl die Gehirnaktivität als auch die Ergebnisse des Tests vor und nach dem Sport.

Tatsächlich zeigen die Testergebnisse, dass sich viele Probanden nach dem Sport besser konzentrieren können. An den Gehirnstrommessungen lässt sich ein möglicher Grund erkennen: Vor dem Sport herrscht rege Aktivität im Stirnbereich des Gehirns, dem sogenanten präfrontalen Kortex, der gewissermaßen ein Arbeitsspeicher ist. Nach dem Sport, zeigt die EEG-Messung, ist die Aktivität hier zurückgegangen. Sport macht also, laut einer Theorie der Wissenschaftler, den Arbeitsspeicher frei – und deshalb kann man sich nach dem Sport besser konzentrieren. In der Mittagspause joggen zu gehen oder Sportunterricht in der Mitte des Schultages, in der 3. und 4. Stunde, ist aus Sicht der Kölner Wissenschaftler also überaus sinnvoll: Bewegung macht den Kopf frei.

29.11.2010
Serie „Die Durchblicker – Wissensreportagen von der Ostsee bis zum Bodensee“
BR 2, NDR Info, SWR 2, WDR 5